Leseprobe LKWatsch

Warum nicht mal die Bahn?
(ein Wechselbad der Gefühle und ein Schutzengel, der da sagt…)
LKWatsch pedder #lesung
Jeder Fernfahrer kennt das. Wenn, was die Ausnahme ist, wir am Freitag den Heimathafen erreicht haben, die Zugmaschine und den Auflieger abgestellt, die Papiere mit dem Disponenten geklärt haben, beginnt das verdiente Wochenende!
Jeder will so schnell wie möglich, den Einkauf erledigen und nach Hause.
Ich hingegen möchte das auch, aber in Ruhe. In völliger Ruhe!
Das herannahende Wochenende ist Urlaub!
Gott hat ein Einsehen und schickt mir einen Schutzengel, damit alles in Ruhe abläuft.
Von Weyhe nach Verden fahre ich im Allgemeinen fünfundvierzig Minuten.
„Pedder, du wolltest doch in Ruhe!“
Also gut in fünfzig Minuten. Über Thedinghausen und Verden ist nicht mehr weit. Alles per Landstraße. Da kommt man gut durch.
Ich spule die Kilometer ab und betrachte dabei die Landschaft. Wie die Vögel so rumflattern. Alles Mögliche flattert durch die Luft und bevölkert zahlreich den Himmel. So wie in der Luft tummelt sich auch einiges auf der Straße.
Der vor mir könnte ja ruhig ein bisschen schneller fahren. Hier sind 100 Km/h erlaubt und er fährt 80 Km/h. Mein Gott, der…
„Pedder, ruhig!“
Die Sonne blinzelt und lässt die Natur erstrahlen. Mit gemütlicher Drehzahl tuckere ich der Allgemeinheit hinterher und fahre notgedrungen auch die Kurven mit 70 Km/h, die ich sonst bei freier Stecke mit 120 Km/h durchsprinte. Es hat sich eine ansehnliche Karawane gebildet und der Karawanenführer bleibt stur und steif bei seinen 80 Km/h. Keiner traut sich an dem General vorbei. Ich überlege, ob ich mit dem Überholen anfangen sollte. Dann müsste ich gleich an fünf Pkws vorbeiziehen, aber zum Überholen sind die Abstände im Gegenverkehr zu kurz.
Ich habe ja Zeit, will ja nicht drängeln, aber ein bisschen schneller könnte der Kommandeur da vorne schon fahren.
Ich merke, wie es beginnt im Magen zu rumoren.
So! Verden! Geschafft!
Über die Allerbrücke zu fahren, das will ich mir nicht antun. Lieber nehme ich die kleine Brücke und fahre hintenrum.
Man! Ist die Kreuzung voll und was macht der Fiat Panda vor mir? Der lässt sein Auto jetzt schon ausrollen und…
„Pedder. Du wolltest doch…“
„Ja, ja. Ich weiß. Ruhig bleiben.“
Das Wetter ladet ja auch dazu ein. Die Sonnenstrahlen lassen die umliegenden Rapsfelder in einem leuchtend sattem gelb erstrahlen und wenn ich mein Kopf aus dem Seitenfenster heraushalte, bin ich gut gebräunt, bis ich gemeinsam mit dem Panda das leuchtende rot der Ampel erreiche.
Der Panda biegt links ab. Gott sein Dank, ich fahre geradeaus.
Einbiegen in das Gewerbegebiet und …
Bremsen. Bremsen!
Was ist denn das?
Ein alter weißer Daimler schleicht die Straße entlang, sodass ich nicht weiß, ob das Fahrzeug eine Panne hat, oder der Fahrer altersbedingt still verstorben ist und nun der Daimler führerlos ausrollt, denn ein weißer Haarschopf lugt über die Kopfstütze hinweg. Sein Wackeldackel „Harras“, auf den hinteren Fond nickt zustimmend.
Falls er doch unter den lebenden verweilt, kann ich nur hoffen, dass er zu Rewe will und einen Parkplatz früher von der Bildfläche verschwindet.
Los zu Rewe!
Los!
„Pedder. Ruhig bleiben!“
„Ja, ja! Aber zu Rewe könnte er doch fahren, oder was!“
Na gut, er könnte Bummeln gehen, sowie er ja auch fährt. Er will sich vielleicht die Geschäfte anschauen. Aber doch nicht jetzt und hier!
Überhaupt, Einkaufen! Das könnte er auch in der Woche erledigen und nicht zum Feierabend, wenn alle Berufstätigen in schier unzähligen Massen im völligem Stress und in Hektik verfallend die Supermärkte plündern, als wenn es kein Morgen mehr gibt.

Keine Angst. Es geht noch weiter! Mit dem Stress. Allerdings, wie die Geschichte ausgeht, das erfahren Sie liebe Leser in meinem Buch: “LKWatsch