Leseprobe Textthrombosen

Heute bin ich Mann

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Zurzeit ist bei mir das Gefühl, dass wir Männer so langsam, aber sicher ins Hintertreffen geraten und nun unsererseits für Gleichberechtigung kämpfen müssen!
Wie gesagt, nur so ein Gefühl.
Frauen sind langsam, in fast allen Bereichen, eine Nasenlänge uns voraus. Ob in der Wirtschaft, oder in der Politik. Im Haushalt sowieso.
Und was den Haushalt anbelangt, da wollte ich eine Gleichstellung gegenüber meiner Frau erreichen. Ich war sogar bereit, dafür zu kämpfen. Zwar keine hundert Jahre, solange lebe ich nicht mehr, aber zumindest in meiner Legislaturperiode, als Haushaltvorstandsmitglied!
Genauer gesagt, die Bedienung der Waschmaschine übernehmen. Mit allem Pipapo!
Technik ist immer noch die Domäne von Männern. Bei den Frauen treffen da zwei Welten aufeinander. Ob bei der Bedienung einer Bohrmaschine, oder das Autofahren. Egal was, das ist die Welt der Männer. Und schließlich ist eine Waschmaschine einer Bohrmaschine sehr ähnlich.
Zuerst war meine Frau noch skeptisch und nur zögerlich konnte ich sie mit meiner Macht davon überzeugen, dass Gleichberechtigung und Gleichberechtigung dasselbe ist. Sie gab nach, ließ sich jedoch nicht davon abbringen, eine dreimonatige Einweisung in der Bedienung einer Waschmaschine, als Seminar zu Hause zu veranstalten. Das habe ich ohne Scheidung, erfolgreich überstanden.
„Ja, ich weiß: Vorher sortieren. 30; 40 und 60.“
Nein, nicht die Jubiläumsjahre sind damit gemeint, sondern die Waschvorschrift zur Sortierungsanordnung meiner Frau und der Herstellungsfirma unserer Waschmaschine.
„Ja, ich weiß: Vor dem Waschen, die Hosentaschen leeren, umkrempeln und mit der Drahtbürste den Fusseln ein jähes Ende setzen.“
„Ja, ich weiß: Nicht so viel Waschpulver verwenden.“
Bei dem Examen über Weichspüler, das heißt: Verwendung von Anionische und Ionische Tenside in Zusammenhang mit Methylisothiazolinone unter Berücksichtigung der Inhaltsstoffe von Alpha-Isomethyl, oder Buthylphenyl, ist äußerste Vorsicht geboten und darf nur in geringen Mengen Anwendung finden. Ich strahlte, denn mit dem Wissen ausgestattet, hatte ich mir eine erdachte eins als Abschlusszensur verdient. Meine Frau schüttelte jedoch nur mit dem Kopf und meinte, dass sie Tenside nicht kenne.
Ich muss zugeben, dass ich ein wenig stolz war, alle Vorschriften meiner Frau, noch vor dem Aussprechen gewusst zu haben.
Also los.
Schon am nächsten Tag wollte ich mich mit der Waschmaschine anfreunden. Ein kurzer Blick auf die Instrumententafel sagte mir, dass dies zu beherrschen sei und so viel Auswahlprogramme, ich nicht benötigen würde. Zaghaft öffnete ich die gläserne Tür und strahlend glänzend begrüßte mich eine Edelstahltrommel. Ein „Hallo“ echote zurück. Na prima, die redet sogar mit mir. Mir war klar, jetzt würden wir beste Freunde werden. Ich verabschiedete mich bei ihr und versprach gleich am nächsten Abend ein Waschprogramm auszuprobieren.
Meiner Frau kam es gleich merkwürdig vor, als ich unsere Radioanlage einschließlich der Boxen im Wohnzimmer abmontierte und mit der selbigen verschwand.
Ohne Musik würde ich nicht arbeiten und mit Musik kann man das monotone Rumoren der Waschmaschine übertönen. Die Kopfhörer wollte ich nicht benutzen, sonst würde ich ein Klagelaut der Waschmaschine nicht hören. Außerdem kann es nicht schaden die Arbeitsstimmung einer in Dienst gestellten Waschmaschine bei Laune zu halten. Auch konnte ich mich noch erinnern, dass Blumen viel besser wachsen, wenn sie mit Musik beschallt werden.
Am nächsten Morgen merkte ich schon, dass ich sehr unruhig wirkte, denn heute muss ich mich beweisen. Heute ist der Tag, wo Männer ihr ganzes Können aufbringen müssen, um vor Frauen gleichgestellt zu sein. Ich darf unter keinen Umständen versagen.
Endlich zu Hause!
Eine kurze Begrüßung meiner Frau und schon stürzte ich mich voller Tatendrang in die Waschküche. Die letzten Worte meiner Frau, das sie in Kürze das Abendbrot vorbereiten würde, hörte ich nur schemenhaft. Jedenfalls waren Wörter wie: Brot holen und Tee trinken dabei.
Und da stand sie.
Die Waschmaschine!
In voller Pracht und mause-still.
Warte mal, dachte ich mir, jetzt will ich dich zum Leben erwecken. Ich habe mir den Arbeitsablauf vorher genau eingeprägt und so werde ich auch vorgehen. Schon erklingen die ersten Takte von Mozart. Ja das wird dir gefallen. Voller Schwung hatte ich die Wäsche sortiert. Klassik gehört zu klassische Wäsche. Also 40 Grad. Die ist einfach und sorgenfrei.
So dachte ich jedenfalls!
Ich lauschte der Musik und tatsächlich, auch die Waschmaschine machte stimmungsvoll ihre ersten Umdrehungen. Beim Adagio setze sie sogar im gleichen Takt ein. Ich war mir sicher, jetzt werden wir die besten Freunde.
Plötzlich stand meine Frau in der Waschküche und fragte, was ich so treibe. Sie meinte, dass sie für die Bedienung der Waschmaschine nur höchstens fünf Minuten benötigen würde und ich schon fast eine Stunde die Waschmaschine anstarre!
„Liebling“, konterte ich „ die Waschmaschine ist eine sehr komplizierte technische Erfindung vom Menschen und bedarf einer Beobachtung. Im Falle einer urplötzlichen Störung könnte ich sofort eingreifen und so den reibungslosen Verlauf der Wäsche garantieren.“
Daraufhin musste ich ein Kopfschütteln und eine unmissverständliche Grimasse meiner Frau hinnehmen.
Ich sah mich gezwungen weitere Erläuterungen als Beweis meiner Geduld zu erbringen und fuhr fort. Als Beispiel würde ich mit der Bohrmaschine auch nicht, um ein Loch in der Wand zu bohren, die selbige anschalten und angeschaltet auf der Werkbank liegen lasse, ohne mit ihr zu arbeiten.
Mit meiner Argumentation war sie nun geschlagen und bemerkte nur, dass sie jetzt Abendbrot essen würde und ob ich es wagen könnte einige Minuten die Waschmaschine alleine zu lassen.
Wenn ich jetzt klein beigebe, bin ich nicht mehr glaubwürdig und so blieb mir nichts anderes übrig, als eine Absage ihres Angebotes zu geben und um meine Willensstärke zu untermalen, lies ich Mozart in voller Lautstärke erklingen.

Da!
Plötzlich hörte ich ein Rumoren der Waschmaschine. Liegt jetzt ein technischer Defekt vor? Ich richtig gehandelt. Wieder einmal finde Selbstbestätigung in meinem handeln! Sturheit und Durchhaltevermögen sind Eckdaten der Männerwelt! In mir wuchs ein kolossaler Triumph.
Besorgt sprang ich auf und überprüfte sofort die Instrumententafel, ob irgendwo eine rote Lampe aufleuchtet, um einen Totalschaden anzukündigen.
Urplötzlich hört ihr Klagelied, in Form von Rumoren auf und fing an, sich dem Wasser zu entledigen. So vermutete ich, denn der Abfluss-Schlauch vibrierte unaufhörlich. Das sah sehr gefährlich aus. Sofort schaute ich rund um der Waschmaschine nach, ob nicht irgendwo sich Wasser anderweitig verflüchtigen könnte. Sie blieb trocken! Es dauerte auch einige Zeit, bis sich die Waschmaschine entschied mehrmals Wasser zu trinken, um es nach wenigen Umdrehungen wieder auszuspucken. Abergläubig schaute ich ihr Treiben an. Was denn nun? Trinken, oder ausspucken?
Ich zuckte zusammen. Urplötzlich, verbunden mit einem ohrenbetäubenden Geräusch, fing die Waschmaschine an, sich zu schütteln und mit wilden Umdrehungen der Trommel eine Abneigung zu ihrer gedachten Arbeit zu signalisieren.
Sollte ich spontan den Stecker ziehen, um sie von der Stromversorgung zu trennen? Oder ist es ratsam die Waschküche fluchtartig zu verlassen. Explodiert jetzt die Waschmaschine? War Mozart doch nicht ihr Musikgeschmack?
Fragen über Fragen. Ich muss zugestehen, dass ich zurzeit nicht Herr der Lage war. Vorsichtshalber drehte ich die Musikanlage herunter. Es änderte jedoch an der Situation nichts. Sicher schien, dass die Waschmaschine jetzt eine äußerste Abneigung zur Wäsche haben musste. Sie änderte auch nicht ihre Meinung. Ganz im Gegenteil. Ich musste mit ansehen, wie sie die Wäsche fest an sich presst. So etwas übersteht kein Mensch. Was Stoff so alles aushalten muss. Doch damit nicht genug. Sie erhöhte jetzt die Umdrehungen der Trommel. Ohrenbetäubend gehen die Geräusche in einem hohen Pfeifton über.
Hebt sie jetzt ab, fragte ich mich?
Habe ich einen Fehler gemacht?
Entschuldigungen von mir lehnte sie kategorisch ab. Sie wirkte jetzt äußerst erregt. Wütend, ja schon fast in einem Ausbruch der Ekstase schleudert sie ihre Trommel dermaßen schnell, das ich zur Überzeugung kam: Sie mag die Trommel nicht mehr, oder will sich durch Selbstmord zerstören.
Aber warum?
Ich war bereit mit einem Sprung aus der Waschküche mein Leben zu retten. Schweiß ran mir die Stirn herunter.
Gott schien ein Einsehen zu haben, denn die Waschmaschine änderte spontan seine Meinung, die Wäsche weiter zu malträtieren. So plötzlich wie sie mit den Umdrehungen der Trommel angefangen hatte, so plötzlich hörte sie auch wieder auf.
Totenstille in der Waschküche. Nur ein leises musizieren von Mozart war zu vernehmen.
Vorsichtig näherte ich mich der Luke um diese zu öffnen. Ich wollte nachschauen, ob die Wäsche diese brutale Prozedur schadenfrei überstanden hat. Nicht auszudenken, wenn eines der T-Shirts meiner Frau Schaden genommen hätte. Wie würde ich dann vor ihr dastehen? Als ein Versager? Sie, meine Frau, die doch jahrelang die Wäsche ohne Probleme gewaschen hatte. Und das mit dieser Waschmaschine. Allerdings erinnerte ich mich daran, dass hin und wieder meine Frau die Wäsche mit der Hand tätigte. Ohne Waschmaschine!
Ist unsere Waschmaschine launisch? Wäscht sie, oder wäscht sie wiederum nicht?

Die Luke ließ sich jedoch nicht öffnen. Jedenfalls nicht freiwillig.
Was jetzt?
Erst hat sie die Wäsche widerstandslos in ihre Trommel einlegen lassen.
Und jetzt will sie die Wäsche nicht wieder hergeben?
Das darf doch nicht wahr sein.
Mit aller Kraft zerrte ich an der Luke und zog die Waschmaschine dabei durch die Waschküche, wobei der Stecker aus der Dose flutschte.
Nichts!
Die Luke wollte sich partout nicht öffnen lassen.
Mir fiel nichts Besseres ein, als den Werkzeugkasten aus der Werkstatt zu holen, um mit einem Schraubenzieher, oder besser mit einem Brecheisen der Luke zu Leibe rücken.
Nun, ich will ja nichts kaputt machen. So nahm ich den großen Schraubenzieher, um mit anfänglich leichten Hebelversuchen, die Luke zum öffnen zu überzeugen.
Nichts!
Ich schaltete nun die Radioanlage aus.
Einmal wollte ich es noch versuchen an die Wäsche zu kommen und die Waschmaschine mit Hilfe des Schraubenziehers zu überzeugen, freiwillig die Wäsche mir zu übergeben, bevor ich mit dem Trennschleifer das Monstrum in Stücke schneide. So erhöhte ich den Druck der Hebelwirkung und…
Ein Wunder war geschehen. Die Luke ließ sich öffnen. Und zwar mit dem Schraubenzieher. Ich konnte mich allerdings beim studieren der Betriebsanleitung nicht daran erinnern, dass zum Öffnen der Luke ein Schraubenzieher benötigt würde.
Oder lag es doch an Mozart?

Missgeschicke gehören zum Alltag. Da kann ich mich nicht ausschließen. Aber, werde ich es schaffen? Werde ich Herr über der Lage sein und die Waschmaschine beherrschen? Als Mann? Ist der Mann überhaupt dazu fähig?

Wie ich es schaffe, der Waschmaschine eine ordentliche Wäsche abzutrotzen, das können Sie, liebe Leseratten, in meinem Buch:”Textthrombosen(leider noch nicht veröffentlicht) lesen, oder in einer meiner nächsten Lesungen hören.